FIFO Berechnung bei DEGIRO — wie das Finanzamt deinen Gewinn ermittelt
Was ist FIFO — und warum interessiert das das Finanzamt?
FIFO steht für First In, First Out. Wenn du Aktien verkaufst und mehrere Kauftranchen hast, gelten die zuerst gekauften Stücke als zuerst verkauft. Das Finanzamt schreibt dieses Verfahren in § 20 Abs. 4 EStG verbindlich vor — du hast keine Wahl.
Das klingt neutral. Ist es aber nicht immer: Wenn deine älteste Tranche billiger war als die neuere, fällt der steuerliche Gewinn höher aus, als wenn du zuerst die teure Tranche verkauft hättest. Umgekehrt kann FIFO auch vorteilhaft sein.
Praktisch bedeutet das: Für jede DEGIRO-Position musst du wissen, wann du wie viele Stücke zu welchem Preis gekauft hast — und das über mehrere Jahre hinweg. Ohne Hilfsmittel ist das schnell eine Tabellenkalkulations-Übung, die Stunden dauert.
Warum DEGIRO-Nutzer das selbst berechnen müssen
Bei einer deutschen Direktbank (comdirect, DKB, ING) übernimmt die Depotbank die FIFO-Rechnung und führt die Steuer automatisch ab. Du bekommst eine Jahressteuerbescheinigung — fertig.
DEGIRO ist ein niederländischer Broker und unterliegt dieser Pflicht nicht. Du bekommst stattdessen einen Jahreskontoauszug als CSV-Datei — mit allen Transaktionen, aber ohne steuerliche Auswertung.
Das bedeutet: Die FIFO-Berechnung liegt bei dir. Das Finanzamt erwartet den korrekten Veräußerungsgewinn in Zeile 19 (Anlage KAP) für Aktiengewinne. Trägst du dort einen falschen Wert ein — oder gar nichts — ist das Steuerhinterziehung, auch wenn sie unabsichtlich ist.
Wie die FIFO-Berechnung funktioniert
Die Formel ist im Kern klar: Veräußerungsgewinn = Veräußerungspreis − Anschaffungskosten (nach FIFO).
Du führst für jede Position eine Warteschlange der Kauftranchen. Verkaufst du Stücke, werden sie vom ältesten Ende der Warteschlange abgezogen — Tranche für Tranche. Der gewichtete Einstandspreis der verbrauchten Stücke ergibt die steuerlichen Anschaffungskosten.
Dazu kommen die Transaktionskosten: Ordergebühren beim Kauf erhöhen die Anschaffungskosten (gut für dich), Ordergebühren beim Verkauf mindern den Veräußerungserlös. DEGIRO erhebt für die meisten Aktien eine Grundgebühr plus börsenabhängige Abwicklungskosten — diese stehen in der CSV und müssen in die Rechnung einfließen.
Konkretes Beispiel mit echten Zahlen
Angenommen, du hast die Muster-AG (ISIN: DE000A1234567) in zwei Tranchen
gekauft und einen Teil wieder verkauft:
| Vorgang | Datum | Stück | Kurs | Wert |
|---|---|---|---|---|
| Kauf 1 | 10.01.2023 | 50 | 20,00 € | 1.000,00 € |
| Kauf 2 | 01.06.2023 | 50 | 25,00 € | 1.250,00 € |
| Verkauf | 15.11.2024 | 60 | 30,00 € | 1.800,00 € |
FIFO-Zuteilung:
- 50 Stück aus Kauf 1 × 20,00 € =
1.000,00 €Einstand - 10 Stück aus Kauf 2 × 25,00 € =
250,00 €Einstand - Gesamt Anschaffungskosten:
1.250,00 €
Erlös 1.800,00 € − Einstand 1.250,00 € = Gewinn 550,00 €
→ Zeile 19, Anlage KAP: 550,00 €
Abgeltungsteuer: 550,00 € × 25 % = 137,50 € + 5,5 % Soli ≈ 145,06 €
Die restlichen 40 Stücke aus Kauf 2 (40 × 25,00 € = 1.000,00 €) liegen weiter im Depot. Ihr Einstandspreis ist für künftige Verkäufe relevant — den musst du dir merken oder von KAPitan merken lassen.
Häufige Fehler bei der FIFO-Berechnung
Wie KAPitan die FIFO-Berechnung für dich erledigt
KAPitan liest deine DEGIRO-Transaktions-CSV und führt die FIFO-Warteschlange für jede Position automatisch — inklusive Transaktionskosten, jahresübergreifenden Tranchen und Fremdwährungsumrechnung mit EZB-Tageskursen.
Fehlen Kaufdaten aus Vorjahren, wirst du gezielt gefragt. Das Ergebnis: ein fertiger Wert für Zeile 19 (und ggf. Zeile 20 für Verluste), den du direkt in ELSTER überträgst.
Häufige Fragen zur FIFO-Berechnung
Kein Ersatz für Steuerberatung. Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und wurde sorgfältig recherchiert — Fehler sind dennoch möglich, da sich Gesetze und Verwaltungspraxis ändern können. Er begründet kein steuerliches oder rechtliches Beratungsverhältnis. Für deinen konkreten Einzelfall empfehlen wir, einen Steuerberater oder Fachanwalt für Steuerrecht zu konsultieren.